Mena Huber

Von Oktober 2011 bis März 2012 habe ich sechs sehr interessante und lehrreiche Monate in Cuenca, Ecuador verbracht. Zum Einen wollte ich Spanisch lernen und zum Anderen einmal etwas sehen von der Welt und rauskommen aus meinem kleinen Städtchen, in dem ich gerade meine Schule abgeschlossen hatte. Als ich dann die Gelegenheit bekam, die Fundación Avanzar in Cuenca durch meine freiwillige Mitarbeit zu unterstützen, freute ich mich auf meine Reise und war sehr gespannt darauf, was mich wohl erwarten würde.
Während meines Ecuador Aufenthalts half ich eigentlich alle sechs Monate jeweils am Nachmittag in der Ludoteca, ein von der Fundation eingerichtet und ausgestattetes Spielzimmer für die Patienten der Kinderstation im regionalen Krankenhaus in Cuenca. Und für ungefähr zwei Monate ging ich ganztags in eine -von der Fundación Avanzar unterstützten- Kindertagesstätte am Rand der Stadt gelegen. Die Erfahrungen, die ich in den beiden Einrichtungen gesammelt habe, möchte ich nicht missen und haben mir klar vor Augen geführt, dass es uns sehr gut geht in Europa und, dass wir keinen Grund haben, uns zu beschweren.

Die Kinder, die wir in der Ludoteca betreut haben, kommen großteils aus sehr schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen. Umso schöner war es, diese Kinder lachen zu sehen und mitzubekommen, wie sehr sie sich über das gemeinsame Spielen und beispielsweise die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird, freuen. Die vielen Spielsachen, Puppen, Puzzles und so weiter sind viel mehr als das, was die Kinder zuhause zum Spielen haben und dadurch, dass wir Freiwillige -gemeinsam mir Marielena und Mila von der Fundación- den Kindern aufmerksam zuhören und uns mit ihnen beschäftigen, wird die Zeit im Krankenhaus erträglich. Das Projekt im regionalen Krankenhaus von Cuenca ist in meinen Augen ein sehr wichtiges, denn es werden nicht nur die kranken Kinder betreut, sondern können die Mütter (und Väter und Großmütter...) in der Ludoteca auch stricken lernen, um sich die Zeit am Krankenbett mit einer nützlichen Tätigkeit zu vertreiben. Außerdem ist das Frühstück, das den Familien auf der Pädiatrie von der Fundación Avanzar serviert wird, eine sehr gute Sache, die den betroffenen Familien sehr hilft.

In der Kindertagesstätte La Flórida, wo ich auch einige Zeit freiwillig mitgeholfen habe, schaut das schon etwas anders aus. Man muss sagen, dass die Kinder dort nicht krank sind und keine körperlichen Einschränkungen haben, doch auch diese Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren sind sozial benachteiligt. Die meisten der Eltern jener Kinder arbeiten auf dem nahegelegenen Markt „Feria Libre“ und haben so nur sehr wenig Zeit und finanzielle Mittel um sich so um ihre Töchter und Söhne zu kümmern, wie es eigentlich wünschenswert ist. Also kommen diese Kinder zu La Florida, wo die insgesamt knapp 50 Kinder in 4 Gruppen aufgeteilt werden und so lernen sich mit Gleichaltrigen zu beschäftigen. Man gibt sich in dem „Kindergarten“ sehr große Mühe, alles richtig zu machen, jedoch kam mir als „wohlbehütete Europäerin“ der Umgangston, den die Erzieherinnern den Kindern gegenüber anschlugen, oft sehr streng vor. Tagesabläufe sind fest geplant und vom Plan abzuweichen, weil die Kinder eventuell Lust auf etwas anderes haben, kommt gar nicht in Frage. Wer sich nicht benimmt, wird geschimpft und darf zum Beispiel in der Pause nicht in den kleinen Vorgarten spielen gehen. Wer keinen Hunger hat, muss trotzdem essen und steht erst dann vom Tisch auf, wenn alles weggeputzt ist. Das ist für mich schwierig zu verstehen, jedoch gibt es in Ecuador noch immer genug Leute, die gar nichts zum Essen haben, also schätzt man Lebensmittel und Essen natürlich um einiges mehr als hier in Europa.
Die Kinder werden also effektiv erzogen in der Kindertagesstätte La Florida, was auch wichtig ist. Und meistens kommt der Spaß deswegen ja trotzdem nicht zu kurz. Die Kinder verstehen sich untereinander; manchmal gibt es kleinere Streitereien, aber das gehört wohl überall dazu. Doch leider sind viele der Spielsachen, mit denen die Kinder dort spielen, kaputt oder unvollständig. Die Einrichtung lässt sehr zu wünschen übrig und das Haus an sich ist auch nicht gerade perfekt. Die Räume sind sehr klein für die vielen Kinder und die hohen Treppen können sehr gefährlich werden. (Einmal zum Beispiel stürzte eine 3-Jährige hinunter und verursachte so große Aufregung.. zu Recht!) Der Garten, der zum Haus gehört, ist sehr klein und besteht zu großen Flächen auch aus Steinfließen anstatt aus Wiese, wie es zu wünschen wäre. Nach meiner Zeit in dieser Kindertagesstätte habe ich gesehen, wie viel man aus so wenig machen kann. Ich habe gesehen, dass es möglich ist, sich so effizient einzurichten und so gut zu arrangieren, dass man schlussendlich das hat, was man braucht.

 

Schlussendlich hat mich meine Zeit in Ecuador nur bereichert, ich habe nicht nur einen Einblick in das regionale Krankenhaus oder einen Kindergarten am Stadtrand bekommen, sondern auch viel von der Lebensweise und Kultur der Ecuadorianer gelernt. Mein Spanisch ist sehr gut geworden und ich habe erfahren, was es heißt, alleine fort von Zuhause zu leben. Ich bin offener für alles Neue geworden, habe begonnen mein Leben in Österreich mit allem Drum und Dran um einiges mehr wertzuschätzen und bin sehr froh um die Erfahrung, die ich gemacht habe und niemals vergessen werde.


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